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Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“

In dem Werk „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“, mit dem ich mich näher beschäftigt habe, untersucht der Kommunikationswissenschaftler, Psychotherapeut, Soziologe, Philosoph sowie Autor, Paul Watzlawick, den Prozess individueller Konstruktion von Wirklichkeit im Kontext kommunikativer Regeln. Nach seiner Auffassung gibt es nicht nur eine sogenannte Wirklichkeit, sondern es existieren vielmehr zahllose Wirklichkeitsauffassungen, welche von Widerspruch gezeichnet sein können. (vgl. Watzlawick, 1976, S.7) Er unterteilt sein Buch in drei Abschnitte, welche als Konfusion, Desinformation und Kommunikation benannt werden (vgl. Simon, 2011, S.230).

Den ersten Teil seines Werkes widmet Watzlawick den Schwierigkeiten des Verstehens und erläutert das Konfusion als Verzerrung der Wirklichkeit, überall da auftritt, wo Sinn- und Bedeutungsgehalt von Handlungen oder Worten verschieden gedeutet wird. Da der Mensch auch die Sprache als Kommunikationsmedium besitzt, besteht zusätzlich die Möglichkeit der Formulierung von paradoxen Aussagen. Ein Beispiel hierfür ist der Satz: „Beachten Sie diesen Satz nicht!“ Aufgrund des Lesens jenes Satzes kommt es gleichzeitig zum Beachten. (vgl. Simon, 2011, S.231f)

Im zweiten Teil des Buches beschäftigt sich Watzlawick mit Desinformation als Ursache von Wirklichkeitsverzerrung, welche dann auftritt, wenn keine Informationen vorhanden sind bzw. diese schwer erfasst werden können. Dabei wird jener Unsicherheit mit Hilfe der Schaffung von Ordnung bzw. mit Erklärungen für die wahrgenommenen Phänomene entgegengetreten. Als Beispiel hierfür kann das neurotische Pferd genannt werden. (vgl. Simon, 2011, S.232f)

Im letzten Teil, der Kommunikation, wird der Frage nachgegangen, ob die Möglichkeit von Kommunikation überhaupt bestehen kann, wenn jeder Protagonist die Verhaltensweisen des anderen unterschiedlich interpretieren könnte. Jenes Anfangsproblem kann auch als „doppelte Kontingenz“ verstanden werden. (vgl. Simon, 2011, S.234f)

Die Frage von Watzlawick „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“ stellt sich hierbei vorallem in der qualitativen empirischen Forschung, welche in meiner Masterarbeit zum Einsatz kommen soll. Während die quantitative Forschung, verallgemeinert gesagt, Untersuchungen mittels Statistiken auswertet, werden in der qualitativen Forschung über eine möglichst objektive Erhebung von vergleichbaren Daten, repräsentative Ergebnisse über den Forschungsstand ermöglicht (vgl. Peez, 2001, S.21). „Qualitative Forschung erkundet demnach das komplexe Feld der Charakteristika menschlicher Erfahrungen durch systematische Erhebung, Aufbereitung und Interpretation von relevantem Forschungsmaterial.“ (Macho, 2014, S.39)

Wenn nun aber nach den Theorien Watzlawicks, die eine Realität ein irreales Konstrukt darstellt, so stellt sich eine wesentliche Frage hinsichtlich der qualitativ empirischen Forschung: Wie ist es möglich individuelle Lebensäußerungen und Erfahrungen zu erforschen und damit einen Beitrag für die Wissenschaft zu leisten? Auf jene Fragestellung kann wahrscheinlich keine eindeutige Antwort gegeben werden bzw. würde die ausgiebige Beschäftigung mit jenem Thema, die Grenzen sprengen. Dennoch konnte eine gewisse Sensibilisierung für jene Problematik erfolgen, die in der Massenarbeit berücksichtigt werden kann.

Literaturverzeichnis

Macho, L. (2014): Bildnerische Entwicklung im biografischen Kontext. Eine Längsschnittstudie über acht Jahre, disserta Verlag, 1. Auflage, Hamburg

Peez, G. (2001) Qualitative empirische Forschung in der Kunstpädagogik. Methodologische Analysen und praxisbezogene Konzepte zu Fallstudien über ästhetische Prozesse,biografische Aspekte und soziale Interaktion in unterschiedlichen Bereichen der Kunstpädagogik (Habilitationsschrift), Hannover (BDK-Verlag), 2. Auflage, Norderstedt

Simon, F.B. (2011): Von der Psychotherapie zur Erkenntnistheorie, Fitz B. Simon über Paul Watzlawicks Wie wirklich ist die Wirklichkeit?, In: Pörksen, B. (Hrsg.), Schlüsselwerke des Konstruktivismus, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 1. Auflage, S. 226-238, Wiesbaden

Watzlawick, P. / Bavelas, J.B. / Jackson, D.D. (1967): Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien, Huber Verlag, Bern/Stuttgart