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Keine Angst vor KI!

Der Artikel “Keine Angst vor KI im Design!” der Page-Ausgabe 02.2018, setzt sich mit der Frage auseinander, wie Webdesigner in einer Welt mit selbstlernenden Algorithmen arbeiten könnten und stellen den aktuellen Stand von diversen Programmen, Systemen sowie Konzepte für zukünftige Designmethoden vor.  Des Weiteren erläutert jene Publikation das Thema rund um die Angst vor KI in der Designbranche und zeigt Argumente auf, warum jene Gefahr unbegründet ist. Jene Thematik stellt dabei ein zentraler Bestandteil meiner Masterarbeit dar und wird deshalb auch einer umfangreicher Untersuchung unterzogen.

Aufgrund unzähliger Artikel der Tageszeitungen und Fachmagazinen, dem beliebten Thema auf Konferenzen und Ausstellungen, sowie den zahlreichen Neuerscheinungen von Produkten mit KI-unterstützender Funktion auf Fachmessen, lässt sich darauf schließen, dass Künstliche Intelligenz einer der Megatrends auch im Jahr 2019 darstellen wird. Der Creative Partner des Unternehmens Boom Christian Bartsch glaubt das jenes Thema auch die Kreativbranche zukünftig verändert wird und nennt so einige internationale Unternehmen sowie Start-ups, welche bereits Programme sowie Systeme mit KI als integralen Bestandteil, entwickeln konnten und weiter an der Vision der Automatisierung feilen. So zählen Adobe, IBM, Google und Airbnb zu einer der größten Unternehmen, welche sich schon länger mit jener Thematik beschäftigt haben und dementsprechende Produkte entwickeln konnten (vgl. Bartsch, 2018, S. 91). Aber auch Startups können mithalten. Ein Beispiel hierfür stellt das System des Kopenhagener Unternehmen UIzard dar, welches mit pixelbasierten Skizzen- bzw. Layouts in HTML/CSS-Code, Storyboards oder XML Daten erstellen kann. Doch nicht nur die Erstellung von Prototypen und das Testen dieser stellen eine wichtige Entwicklung von KI in der Kreativbranche dar, sondern vor allem Systeme, die personalisierte Ergebnisse mit Hilfe von Kundendaten generieren können. (vgl. Bartsch, 2018, S. 92) Über Medien wie Smart Things als auch Website-Cookies, Chatbots oder auch Umfragen lassen sich jene Daten generieren. Ein derartiges System stellt dabei beispielsweise die KI-Plattform Albert dar, welche Targeting, Media Buying, die Erstellung, das Testen sowie das Reporting einer Kampagne in einer Lösung vereint. Dies wirft so einige Fragen auf, wie, wieviele Daten nun für einen effektiven Entwurf notwenig sind?, wie der Schwierigkeitsgrad der Beschaffung jener Daten aussieht?, wieviel Kosten damit verbunden wären?, sowie, welche Art der Qualität schlussendlich präsentiert würde? Gerade jene Ansätze haben Potenzial für die Zukunft und könnten des weiteren den Beruf des Gestalters in Gefahr bringen. Denn keinem menschlichen Designer ist es möglich, große Datenmengen in einer derartig schnellen Geschwindigkeit zu analysieren, zu bewerten und in weiterer Folge jenen Entwurf oder Produkt zu optimieren und wiederrum auszuliefern. (vgl. Bartsch, 2018, S. 93-94).

Jene Erkenntnis aus diesem Artikel weißt somit den ersten problematischen Aspekt für Gestalter auf. Trotz der vielen Erläuterungen, dass KI nur den Designer unterstüzend zur Seite steht, könnte die Tatsache, dass jene Aufgaben von einer KI besser gelöst werden können, hierbei bereits die erste Angst des Jobverlustes beim Gestalter verstärken. Ein weiterer bedenklicher Punkt in dieser Publikation stellt der Kommentar von Senior UX Designer Jan Korsanke dar:

„Wenn man gestaltet wie eine Maschine, wird die Maschine irgendwann den Job übernehmen.“ (Korsanke, 2018, S.96)

Hierbei stellt sich die Frage, inwieweit folgt ein Designer routinierten und festen Mustern? Viele Kommunikationsdesigner lernen innerhalb ihrer Ausbildung sehr viele Methoden, Prozesse als auch Prinzipien kennen, wie gute Gestaltung auszusehen hat, welche schlussendlich auch in ihrem Beruf zum Einsatz gebracht werden, egal ob es sich nun um Kontrastsetzungen oder den goldenen Schnitt handelt. Wieviel Willkür steckt in den unterschiedlichen Designentwürfen? Müssen Designer sogar häufig aufgrund des ständigen Zeitdrucks auf das Repertoir zurückgreifen? Jene Fragen könnten in dieser Masterthesis einer genaueren Untersuchung unterzogen werden. Als politische Schutzmaßnahmen für Kreative könnte hierbei, beispielsweise das Konzept der Maschinensteuer, aber auch des bedingungslosen Grundeinkommens herangezogen werden, wie dies auch in der Illustration aufgeführt wurde.

Nichts desto trotz sind Fähigkeiten des Menschen, wie Emphatie, Emotionen sowie Dingen Bedeutungen zuzuschreiben, noch Aspekte, die für die Maschine auch in Zukunft, wenn überhaupt, nur sehr schwer erlernbar sind. Dies lässt jene These zu, dass sich als Folge des technologischen Wandels, eine Welt neuer Berufsbilder für Kreative der Zukunft eröffnen könnte. Dabei könnten ähnliche KI-Werkzeuge, wie im Artikel beschrieben, für den Designer tatsächlich unterstützend zur Seite gestellt werden und ermöglicht diesen mehr Zeit für die wesentlichen Aspekte des Projektes zu haben. Jene Zeitersparnis könnte sich aber wiederrum negativ auf die Berufswelt des Designers auswirken, da es somit zu einer Personalreduktion in einigen Unternehmen kommen könnte. Aber auch die Anschaffung jener KI-Systeme könnten zu teuren Ausgaben führen, wobei sich hier wiederrum die Frage stellt, ab wann sich jene Investionen schlussendlich amortisieren würden? Trotz der eventuell hohen Anschaffungskosten, könnte ein innovatives Image entstehen, welches die Kundenakquise fördert und für zukünftige Bewerber als ein attraktiver Arbeitgeber in Erscheinung tritt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die gesamte Kreativbranche durch die Technologie der Künstlichen Intelligenz einem zukünftigen Wandel unterzogen werden wird. Ob sich nun das Berufsbild des Gestalters nun nur in einigen Aspekten verändert oder doch die Urangst der Maschinenmacht schlussendlich in Erscheinung tritt, kann noch nicht klar ermittelt werden. Die Lösung, die Christian Bartsch hierfür hat, ist das kreative Hinterfragen sowie Beobachten jener Technologie (vgl. Bartsch, 2018, S.96).

Literaturverzeichnis

Bartsch, C. (2018): Keine Angst vor KI im Design!, In: Günder, G., Page, Magazin für kreatives Mediendesign, Publishing und Trends, 02.2018, S. 90-96