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Verzerrte Wahrnehmung

Die Wahrnehmung an sich lässt sich zunächst in eine selektive und eine subjektive Komponente einteilen. Die selektive Wahrnehmung sorgt dabei dafür, dass der Organismus für die Aufnahme und Verarbeitung eines bestimmten Reizes sensibilisiert wird und im Gegenszug die Verarbeitung eines anderen Reizes gehemmt wird. Dabei werden nur Reize, die Aufmerksamkeit erzeugen, bewusst aufgenommen und verarbeitet. Der Wahrnehmungsprozess besteht generell darin, dass ein Körper mit seinen Sinnesorganen (-zellen) körperfremde physikalische Reize in körpereigene physiologische Energie umwandelt (neuronale Prozesse). Aus der physiologischen Energie werden dann psychologisch gehaltsvolle Größen bzw. subjektives psychisches Erleben. Unsere Wahrnehmung wird beeinflusst durch beispielsweise, Bedürfnisse und Wünsche, Einstellungen und Meinungen, situativer Entscheidungsdruck oder Informationen, wobei die einfachsten verfügbaren Fakten bevorzugt aufgenommen werden. Als Wahrnehmungsverzerrungen können hierbei beispielsweise optische Täuschungen zählen. (vgl. Kroeber-Riel / Weinberg, 2003; Bitterl, 2016)

Bei der unbewussten Wahrnehmung gibt es verschiedenen Stufen. So können einerseits Reize vorliegen, die auch dann nicht bewusst wahrgenommen werden können, wenn die Aufmerksamkeit auf sie gerichtet ist. Darunter zählen sehr schwache Reize wie visuelle Reize, die nur wenige Millisekunden gezeigt werden. Andererseits spricht man auch von unbewusster Wahrnehmung, wenn die Reize so lange präsentiert werden, dass man sie aufnehmen könnte, dies aber nicht tut, weil die Aufmerksamkeit auf andere Dinge gerichtet ist. (vgl. Kroeber-Riel / Gröppel-Klein, 2013; Bitterl, 2016)

„Nach der Vorstellung der Ganzheitspsychologie ist eine Wahrnehmung eine psychische Ganzheit, die nicht allein aus einem Reiz, sondern auch aus dem durch diesen ausgelösten Gefühl besteht, so dass sich auch eine andere Wahrnehmung ergibt, wenn das Gefühl sich ändert.“ (Koschnick, 1996) Dies bedeutet soviel wie, dass Gefühle dem Wahrnehmungserlebnis vorausgehen. Somit zählt der erste, spontane, gefühlshafte Eindruck. Hierbei kann es ebenfalls zu einem Wahrnehmungsfehler über den sogenannten Halo-Effekt kommen. Der Halo-Effekt ist die Tendenz, unabhängige oder nur mäßig korrelierende Eigenschaften von Personen oder Sachen fälschlicherweise als zusammenhängend wahrzunehmen. Einzelne Eigenschaften einer Person beispielsweise erzeugen einen positiven oder negativen ersten Eindruck, der die weitere Wahrnehmung der Person überstrahlt und so den Gesamteindruck beeinflusst. (vgl. Schmitt, 1992; Bitterl, 2016)

Das Thema Wahrnehmung ist nicht nur generell ein sehr spannendes Thema, sondern spielt vor allem auch im Bereich des Kommunikationsdesigns eine große Rolle und soll auch in meiner Masterarbeit einen Teilbereich einnehmen. Das Wissen über Wahrnehmungsprozesse bzw. Wahrnehmungsverzerrungen  kann hilfreich sein um das Kommunikationsdesign aber auch die Kommunikation an sich aufzubauen und zu optimieren. Hierbei würden noch vertiefte Ansichten betreffend der spezifischen Problematik unterschiedlicher Wahrnehmungen von Personen, wie dies beispielsweise bei einem Briefing-Gespräch Anwendung findet, sich als nützlich erweisen. Aber auch in der qualitativen Forschung innerhalb eines Interviews kann jene Erkenntnisse der Psychologie zu einer Sensibilisierung von Wahrnehmungsverzerrungen führen und somit eventuell verfälschte Ergebnisse vermieden bzw. reduziert werden.

Da in meinem Masterprojekt der Einsatz von Experteninterviews Verwendung findet und Szenarien mit Hilfe unterschiedlichen Wahrnehmungen gestaltet werden, muss dieses Thema auf alle Fälle einer weiteren Beschäftigung unterzogen werden.

Literaturverzeichnis

Bitterl, R. (2016): Werbepsychologie, Präsentation für die Lehrveranstaltung Werbepsychologie an der FH Kufstein

Schmitt, M. (1992): Schönheit und Talent Untersuchungen zum Verschwinden des Halo-Effekts, In: Zeitschrift für experimentelle und angewandte Psychologie 1992, Band XXXIX, Heft 3, S. 475-492, Online im WWW unter der URL: http://psydok.psycharchives.de/jspui/bitstream/20.500.11780/866/1/Schoenheit_und_Talent_Untersuchungen_zum_Verschwinden_des_Halo_Effekts1.pdf (27.04.2018)

Koschnick, W. J. (1996): Standard-Lexikon der Werbung, Verkaufsförderung, Öffentlichkeitsarbeit, 2 Bände, Schäffer-Poeschel Verlag, München

Kroeber-Riel, W. / Gröppel-Klein, A. (2013): Konsumentenverhalten, Fachbuch, 10. Auflage, Verlag Franz Vahlen, München

Kroeber-Riel, W. / Weinberg, P. (2003): Konsumentenverhalten, Fachbuch, 8. Auflage, Verlag Franz Vahlen, München