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Die Angst vor der Maschine

With the arrival of electric technology, man extended, or set outside himself, a live model of the central nervous system itself. To the degree that this is so, it is a development that suggests a desperate and suicidal autoamputation…“ (McLuhan, 1994)

Mit jenen Worten beschrieb der Medientheoretiker Marshall McLuhan den Anfang des elektrischen Zeitalters und dessen neue Medien als „Extensions of Man“, also einer Art Körpererweiterung des menschlichen Nervensystems und erläuterte gleichzeitig, dass durch jede Körpererweiterung auch eine Amputation der Fähigkeiten miteinhergehe. Und genau wie die eigentlichen menschlichen Organe, bestimmen diese Medien, das Leben des Einzelnen und die Gesellschaft. (vgl. Bobbitt, 2011, Online-Quelle) Somit könnten neue Technologien, wie dies neuronale Netze und eine Automatisierung 2.0 darstellen, nicht nur als Chance angesehen werden, sondern auch als Risiko, welches eine ungewollte Veränderung für den Menschen mit sich bringen kann und somit die Angst davor verstärkt.

Die beiden Wissenschaftler Ulrike Barthelmess und Ulrich Furbach von der Universität Koblenz sehen die Entstehung jener Angst fest in unserer Kultur- bzw. der Literaturgeschichte verankert. So wird bereits in Mary Shelleys Frankenstein aber auch in der griechischen Mythologie die Thematik, dass sich die vom Menschen erschaffenen Maschinen gegen ihren Macher richten, erläutert (vgl. Arxiv, 2014, Online-Quelle). Des Weiteren sehen viele Beobachter jene Angst in der ersten industriellen Revolution begründet. Diese verbinden mit jener Revolution eine Zerstörung alltäglicher Fähigkeiten, die Ausbeutung von Arbeiter und eine Rückkehr von Rezessionen. Diese Gegebenheiten führen hierbei zu einer Angst vor einer zweiten industriellen Revolution, welche ebenfalls in Arbeitslosigkeit führen könnte. (vgl. Hirschi, 2017, Online-Quelle)

Zu dem Thema Automatisierung und der Verlust von Arbeitsplätzen lässt sich zahlreiche Literatur finden. So beschäftigte sich bereits 1955 die Studie „The Age of Automation“ vom Wirtschaftssoziologen Walter Bloomberg mit jener Thematik. Dabei gab er die Prognose ab, dass Maschinen Menschen überflüssig machen könnten: (vgl. Hirschi, 2017, Online-Quelle)

„Automatisierung wird nicht nur dort immer schneller erfolgen, wo sie schon unterwegs ist, sondern auch in Industrien auftauchen, die solchen technologischen Wandel noch vor zehn Jahren ins Reich der fernen Zukunft, wenn nicht der Science-Fiction verbannt hätten.“ (Bloomberg, 1955)

Im gleichen Jahr veröffentlichte auch der amerikanische Kongress eine Arbeit mit dem Titel “Automation and Technology Change”, in der sich zahlreiche Spezialisten dazu äußerten. Auch hier erfolgte eine Warnung vor Dauerarbeitslosigkeit und Technologiemonopolen. Des Weiteren konnte die 30-Stunden-Woche als ein erster Lösungsanasatz entnommen werden. Dennoch entstand in den darauffolgenden zwei Jahrzehnten nach 1955, ein Wirtschafts- und Bevölkerungs-wachstum sowie ein größeres Angebot an neuen Stellen. (vgl. Hirschi, 2017, Online-Quelle)

Heutige Kritiker der Automatisierung, wie die Autoren Brynjolfson und McAfee, argumentieren ihre Sicht der Dinge, anhand dem immer schneller fortschreitenden technologischen Wandel und dem damit verbundenen eingeschränkten Lernfähigkeit der Menschen, ähnlich wie es bereits McLuhan mit der Amputation von Fähigkeiten durch die neuen Medien erläuterte. Dabei entwickelten die beiden Autoren ein Szenario, das einen Roboter zeigt, der mit denselben Fähigkeiten ausgestattet ist, wie ein Mensch und somit den Aufbau einer Welt der menschlichen Arbeitsplatzvernichtung fördert. (vgl. MAK, 2017, S. 113; Hirschi, 2017, Online-Quelle)

Auch wenn jenes Gedankenexperiment von jenen Autoren als durchaus realistisch empfunden wird, so stellt sich die Frage, inwieweit sich die vollständige Automatisierung in der Zukunft tatsächlich umsetzen lässt und wenn dies die Zukunft darstellen würde, ob der Mensch nicht noch eine andere Bahn einschlagen könnte. Dies und weitere Fragen stellen wichtige Aspekte in meiner Masterarbeit dar, sodass die Vertiefung jener Thematik essentiell für meine weiteren Untersuchungen ist.

Literaturverzeichnis

Arxiv (2014): Do We Need Asimov’s Laws?, In: Bramson-Boudreau, E. MIT Technology Review, 16. Mai 2014, Online im WWW unter URL: https://www.technologyreview.com/s/527336/do-we-need-asimovs-laws/ [16.12.2017]

Bobbitt, D. (2011): Teaching McLuhan: Understanding Understanding Media, Online im WWW unter URL: http://enculturation.net/teaching-mcluhan, [12.01.2018]

Hirschi, C. (2017): Die Automatisierung der Angst., In: D’Inka, W. / Klaube, J. / Kohler, B. / Steltzner, H., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. Mai 2017, Nr. 121, S.9, Online im WWW unter URL: http://www.academia.edu/33298820/Die_Automatisierung_der_Angst_Wir_brauchen_mehr_Grundwissen_in_Technologiegeschichte_in_Frankfurter_Allgemeine_Zeitung_26._Mai_2017_S._9 [02.02.2018]

MAK / Vitra Design Museum (2017): Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine, Katalog zur Aus-stellung der Vienna Biennale 2017, Wien

McLuhan, M. (1994): Understanding Media: The Extensions of Man, Cambridge: The MIT Press